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[02.02.2007] LZ Ausgabe Nr. 5
Einweg marschiert ungebremst weiter
Insbesondere für alkoholfreie Getränke wird die Luft bei Mehrweg immer dünner - Bier-Gebindeentwicklung weitgehend stabil
Frankfurt, 1. Februar. Der rasante Anstieg von Einweg im Bereich alkoholfreier Getränke lässt den Raum für Mehrweg immer enger werden. Bei Bier hingegen ist die Entwicklung in Richtung Einweg verhalten - die Mehrweganteile bröckeln jedoch auf noch hohem Niveau.
Die Marktforschung spricht eine deutliche Sprache. Nach den Zahlen von AC Nielsen legten Einweggebinde mit dem DPG-Logo im Einzelhandel (LEH) über 200 qm einschließlich Aldi und den Getränkefachmärkten (GAM) 2006 um satte 24,1 Prozent zu. Damit repräsentiert Mehrweg bei einem Gesamtvolumen von rund 20 Mrd. Litern nur noch 40,5 Prozent plus 8,2 Prozent Zweiweg als Quasi-Mehrweg im Kasten, obwohl per Gesetz als Einweg behandelt. Geht man von den Consumer-Tracking-Zahlen von GfK aus, worin auch die Käufe im Convenience-Absatzkanal einbezogen sind, dann liegt die Mehrwegquote (PET und Glas) bei nur noch 33,1 Prozent, 53,4 Prozent repräsentiert inzwischen PET-Einweg.
Die neue Verpackungsverordnung, die seit Mai 2006 in Kraft ist, hat den Trend nicht unbedingt ausgelöst, zumindest aber gefördert. Denn der klassische LEH, der sich bei Einweg aufgrund der Rücknahmeproblematik und Bepfandung seit Januar 2003 zurückhielt und dieses Feld dem Discount überließ, hat aufgerüstet - zunächst mit eigenen Marken und schließlich mit großen Industriemarken, wie GfK-Marktforscher Günter Birnbaum festgestellt hat. Das bedeutet, dass der Treiber von Einweg nicht mehr nur der Discount ist, sondern nun auch der klassische LEH.
Einige Anbieter haben sich mit Einweg strategisch neu aufgestellt, wie etwa Gerolsteiner. Das Ergebnis: Gerolsteiner legte 2006 in der Summe um 5,3 Prozent zu, vornehmlich durch Einweg. Aus Kostengesichtspunkten wurde in den Fernabsatzgebieten Mehrweg gegen Einweg getauscht. Bei Coca-Cola gab es ebenso einen gewissen Schub, indem sich Einweg verstärkt neben Mehrweg gesellte. Allerdings, so ein Sprecher, liegt der Mehrweg-Anteil noch immer bei rund 80 Prozent. Zu den besten Zeiten waren es 2003/04 rund 90 Prozent, allerdings auf niedrigerem Absatzniveau. Gas geben will Coke im Außerhaus-Geschäft, was den Einwegtrend beim Softdrink-Riesen sicherlich verstärken wird. Die neue Coca-Cola-Tochter Apollinaris hat kürzlich ihre ersten PET-Einwegflaschen für vier Varianten ausgeliefert. Auch hier ist Bewegung festzustellen. Sinalco hat Einweg seit September 2006 im Sortiment. Laut Wilhelm Josten, Geschäftsleitungssprecher der Hövelmann-Gruppe, habe man erste Listungen im klassischen LEH erreicht, so dass im Einweg-Segment bei Sinalco und auch bei den Rheinfels Quellen zusätzliches Wachstum zu erwarten ist. Chancen sieht er mit Sinalco auch im Softdiscount.
So wie bei Sinalco glaubt man auch bei Nestlé Waters Deutschland, dass Einweg den Siegeszug fortsetzen wird. Selbst haben die Mainzer, etwa entsprechend der Gesamtentwicklung, im Einweg-Geschäft ein zweistelliges Plus erzielt. Allerdings, so ist zu vernehmen, will der Anbieter von Vittel und Aqualrel den Getränkefachgroßhandel nicht ausbooten und Einweg zunehmend direkt an den LEH liefern. Man erarbeite mit dem GFGH als wichtigen Absatzmittler tragfähige Konzepte, so die Botschaft.
Der Großhandel betrachtet die Entwicklung mit Argusaugen. Schließlich will er nicht, dass er wieder aus dem Markt gedrängt wird. Umso zufriedener können die Grossisten sein, dass zumindest das Biergeschäft weiter vornehmlich in Mehrweg vertrieben wird. Die Quoten bröckeln allerdings. In der Hochphase vor drei Jahren lag der Mehrweganteil bei 93 Prozent, inzwischen ist er auf etwa 86 Prozent (ohne Biermix) abgedriftet.
Dass sich die Lage so ganz anders darstellt als bei alkoholfreien Getränken hängt damit zusammen, dass der Handel die Billigdose aufgrund rücknahmekonzeptioneller Gründe nicht mehr eingelistet hat, u. a. auch deshalb, weil vor allem Oettinger das Feld ehemaliger Dosenkäufer mit Mehrweg besetzen konnte. Hinzu kommt, dass PET nach den Analysen von GfK-Consumer Tracking mit um die 9 Prozent Marktanteil schon seit Anfang 2005 stagniert. Nach Information Resources IRI sind im LEH inkl. Harddiscount und GAM seit der neuen Verordnung im Mai bis Dezember 2006 lediglich 2,5 Mio. hl Bier in PET bei einem Gesamtabsatz von 38,2 Mio. hl abgesetzt worden.
Quelle: [02.02.2007] Lebensmittelzeitung Ausgabe Nr. 5
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