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[24.02.2006] LZ Ausgabe Nr. 8

Interview mit Andreas Oels (Bereichsleiter bei Globus, St. Wendel)
über die technischen Herausforderungen für das Pfand-Clearing

“Das System hat Manipulationsversuchen Stand gehalten”

LZ: Herr Oels, Ihr Job beim Aufbau des DPG-Systems setzt an der Nahtstelle an, an der aus Flaschen und Dosen digitalisierte Datensätze werden, die bares Geld wert sind. Wie hütet man den Schatz?

Oels: Mit der Rücknahme des Einwegleerguts wird jedes Gebinde am Automaten oder im Zählzentrum aufgrund seiner EAN und der DPG-Codierung bewertet. Der entstehende Rohdatensatz pro Flasche oder Dose ist dann 25 Cent wert. Bei dem zu erwartenden Einwegboom geht es um Milliarden Euro, die wir gegen Manipulation schützen müssen. Das Arbeitsteam Datenkommunikation hat sich daher für eine Signierung der Rohdaten entschieden. Es ist so sichergestellt, dass der Pfandkontoführer - also derjenige, der Forderungen auf den Tisch bekommt - Manipulationen erkennen kann.

LZ: Wie erkennt er das?

Oels: Das funktioniert über Plausibilitätskontrollen, die elektronisch aufgesetzt werden und deutlich machen, ob eine Signatur verändert wurde oder nicht. Der signierte Rohdatensatz ist komplex, er besteht aus der ILN des Automatenherstellers, der Seriennummer des Sicherheitsmoduls, der Seriennummer des Automaten, der EAN des Gebindes, der millisekundengenauen Erfassungszeit des Gebindes und der zugehörigen Signatur.

LZ: Die DPG hat die Stammdatenbank von Sinfos getestet, um ein störungsfreies Clearing von Pfandgeldansprüchen sicherzustellen. Was wurde genau gestestet?

Oels: In integrativen Feldtests wurden die von der DPG verabschiedeten Maßnahmen auf Praxistauglichkeit bewertet. So wurde geprüft, ob der "Sollprozess" vollständig beschrieben ist. Das Clearing von Pfandansprüchen wurde dezentral und damit realitätsnah abgebildet, die Rollenverständnisse wurden hinterfragt. Es wurden Geschäftsvorfälle wie die Neuanlage eines Datensatzes, dessen Änderungen oder Deaktivierung in der Datenbank durchgespielt.

LZ: Wie lautet Ihr Fazit?

Oels: Als Fazit kann man sagen, dass ein umfangreiches Set mit Formatspezifikationen zur Verfügung steht und im Rahmen des Testes nur kosmetische Anpassungen notwendig waren. Wir waren also im Ansatz schon sehr gut. Wichtigste Erkenntnis aber ist: Das System hat den Manipulationsversuchen Stand gehalten.

LZ: Das heißt, jetzt kann es losgehen! Wissen Sie schon wie viele Produkte, Leergutautomaten und Teilnehmer in die Datenband eingepflegt werden müssen?

Oels: Über Anzahl der Teilnehmer und damit Anzahl der Produkt und Automaten, die wir im System vernetzen werden, gibt es zwar eine Prognose. Genau wissen wir es dann, wenn in den kommenden Wochen die Teilnehmerverträge unterschrieben vorliegen. Fest steht schon jetzt, dass das Einweggeschäft neu belebt wird, alle erwarten einen Boom.

LZ: Ware, die derzeit in den Märkten ist, soll nicht wie Ende 2002 aus dem Markt katapultiert werden. Dazu müssen auch alte EAN in die Stammdatenbank eingepflegt werden und zunächst bis Ende 2006 vorgehalten werden. Platzt da nicht der Rechner?

Oels: Nein! Datenkapazität ist heute nun wirklich kein Thema mehr. Diese Datenflut ist notwendig, weil die Verpackungsverordnung keinen Spielraum lässt. Ab 1. Mai muss nach Material alles, was in Verkehr kommt und im Markt ist, zurückgenommen werden. Wir bilden mit diesem System die gesetzlichen Vorgaben ab. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

LZ: Wie ist sichergestellt, dass auch die heutigen Inselgebinde, mit proprietärem Barcode, in dieser Stammdatenbank ihren Platz haben?

Oels: Die Inselgebinde werden wie die "Nachfolgerartikel" mit den entsprechenden Artikelstammdaten in der DPG-Stammdatenbank angelegt und bis zum 31. Dezember automatisch unter den jeweiligen Systempartnern gecleart. Dann läuft dieser automatische Prozess aus, indem die Artikel-EAN deaktiviert wird. Hintergrund ist dabei auch, dass diese Altartikel nicht über das geforderte Sicherheitsniveau, die DPG-Codierung, verfügen.

LZ: Müssen Händler ab 2007 Pfandforderungen an Wettbewerber, die in den Büchern stehen, abschreiben?

Oels: Nein sie müssen sie nicht ausbuchen, sondern bilateral und nicht automatisiert mit dem zuständigen Pfandkontoführer regeln.

Quelle: Lebensmittelzeitung Ausgabe Nr. 8 [24.02.2006]

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